25 Jahre Mauerfall, Berlin 2014

8000 weiße Ballons stellten als „Lichtgrenze“ den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer nach – auf 15 Kilometer, von der Bornholmerstr. im Norden über die Bernauerstr., vorbei am Reichstag, dem Brandenburger Tor, dem Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie bis zur East Side Gallery und der Oberbaumbrücke im Süden.

Ich bin mit dem Fahrrad die ganze Strecke zu verschiedenen Tageszeiten abgefahren und habe bei diesen Fahrten mit der Kamera den Irrsinn, die Unmenschlichkeit und Grausamkeit dieser willkürlich durch die Stadt gezogenen Grenze und des späteren Mauerbaus festgehalten.

Ich fragte mich unwillkürlich, wer eigentlich damals 1945 diesen Grenzverlauf gezeichnet hat, der Gebäude, Straßen, Plätze, Flüsse, Friedhöfe, S- und Eisenbahnen und damit natürlich auch die Menschen willkürlich trennte, der dann 1961 durch die Mauer buchstäblich zementiert wurde.

Da die Mauer heute nur noch an wenigen Stellen erhalten ist, bekam der Besucher durch die exakt auf dem alten Mauerverlauf aufgestellten Ballons die einmalige Chance, die damalige Situation persönlich nachzuvollziehen – ein unvergessliches, sehr eindrucksvolles Erlebnis.

Entlang der Lichtgrenze wurden alle 150 Meter in Infoboxen in Bild und Schrift historische Geschichten erzählt, die sich an diesem Mauerstück ereignet haben. Dabei wurde über geglückte und tödliche Fluchten berichtet, über den Aufbau der Grenzanlagen, den Verkehr in der geteilten Stadt, Protestaktionen etc.

Dass heute auf dem ehemaligen Mauerstreifen an vielen Stellen Luxuswohnungen in bester Wohnlage entstanden und weiterhin gebaut werden, ist eine Ironie der Geschichte.

Ich hatte an diesen 3 Tagen das Gefühl, dass die ganze Stadt und halb Europa auf den Beinen war. Die Berliner entdeckten mit Kind und Kegel diesen Teil ihrer Stadt neu, unzählige ausländische Besucher erlebten ein fröhliches, weltoffenes und friedliches Berlin. Die Stadt nutzte diese Inszenierung zu einem unterhaltsamen, spannenden und authentischen Geschichtsunterricht, der auch die grausamen und tödlichen Ereignisse an der ehemaligen Mauer nicht aussparte. Im von Frau Merkel wieder eröffneten Mauermuseum an der Bernauerstraße werden die Ereignisse dieser willkürlichen Teilung einer Stadt in Wort und Bild anschaulich dargestellt.

Bei allen geschichtsträchtigen und emotionalen Erinnerungen an den Mauerfall vor 25 Jahren, ließ es sich Berlin nicht nehmen, dieses Jubiläum des Mauerfalls  mit einem zünftigen Bürgerfest zu feiern. Vor mehreren 100.000 Besuchern aus dem In- und Ausland traten am 9.November am Brandenburger Tor Peter Gabriel, die Fantastischen Vier, Udo Lindenberg und Paul Kalkbrenner auf und ließen es richtig krachen.

Punkt 19.00 Uhr gab Klaus Wowereit das Zeichen zur Auflösung der Lichtgrenze – die 8000 Ballons wurden mit Botschaften ihrer Ballonpaten in den Himmel entlassen, begleitet von den feierlichen Klängen der 9. Symphonie von Beethoven, dirigiert von Daniel Barenboim.

Ein großes Lob an die Stadt und die Erfinder dieser durchlässigen „Lichtgrenze“ – Berlin hat sich mal wieder von seiner besten Seite gezeigt!

PS: Ich könnte mir vorstellen, dass meine Fahrradtour entlang des jetzt wieder fiktiven Mauerverlaufs Schule macht – zumindest ich biete diese Tour meinen zukünftigen Gästen an.

 

  1. November 2014 Klaus Weidner
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25 Jahre Mauerfall, Berlin 2014
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Bei allen geschichtsträchtigen und emotionalen Erinnerungen an den Mauerfall vor 25 Jahren, ließ es sich Berlin nicht nehmen, dieses Jubiläum des Mauerfalls mit einem zünftigen Bürgerfest zu feiern
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6 Kommentare zu “25 Jahre Mauerfall, Berlin 2014

  1. Bernd Schray

    Sehr interessant, lieber Klaus Weidner. Wir waren vor exakt 25 Jahren am Potsdamer Platz und haben dort Zwei von Vielen, die die ersten Ostberliner in Westberlin begrüßt haben. Von daher auch eine sehr eindrückliche Erinnerung für uns. Vielen Dank für den Bericht und die vielen Fotos.

    Bernd Schray und Gabriele Reminder-Schray

  2. Philipp Löwenstein

    Hallo Herr Weidner, vielen Dank! Ein inspirierender Reisebericht. Die Radtour in den Norden hinauf habe ich auf Ihre Empfehlung hin schon gemacht. Sehr spannend den Weg mal physisch nachzuvollziehen. Bester Gruss, Philipp Löwenstein

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