Usedom

Golf & more

Seebrücke von Ahlbeck

Wir waren in den letzten Jahren  so häufig auf Usedom, dass jetzt ein Bericht über unsere Lieblingsinsel im Norden überfällig ist.

Für uns als “Teilzeitberliner“ ist Usedom mit dem Auto entspannt in knapp 3 Stunden erreichbar, so dass wir uns angewöhnt haben, uns kurzfristig und wetterabhängig zu einem  Inseltrip zu entscheiden. Apropos Wetter – man kann es kaum glauben, aber Usedom ist mit durchschnittlich 1906 Sonnenstunden die sonnenreichste Region in Deutschland. Oft schlägt das Mikroklima der Insel den Regenprognosen ein Schnippchen – man sieht zwar die dunklen Regenwolken auf dem Festland, sie machen aber meistens einen urlauberfreundlichen Bogen um Usedom. In den 10 Tagen unserer jetzigen Anwesenheit hatten wir folgerichtig nur einen Regentag, den wir zu einer Golfpause und einem Ausflug nach Polen nutzten.

Aber der Reihe nach:

Usedom ist mit 445 km2 Deutschlands zweitgrößte Insel und etwa halb so groß wie Rügen. Sie zieht sich langgezogen von Peenemünde im Norden bis zum polnischen Swinemünde im Süden. Usedom ist relativ dünn besiedelt, typisch sind viele kleine Ortschaften mit nur wenigen Hundert Einwohnern. Ausnahmen bilden u.a. die 3 Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck mit jeweils ca. 3.500 Einwohnern. Die Insel ist naturgemäß vom Wasser umgeben, von der Ostsee auf der einen und vom Stettiner Haff auf der anderen Seite. Für den Autofahrer gibt es zwei Zufahrten, bei Wollgast im Norden und bei Anklam im Süden, wobei die Brücken mehrfach am Tag für die Schifffahrt geöffnet und für den Autoverkehr geschlossen werden.

 

Der Mittelteil der Insel wird vom riesigen Achterwassersee geprägt, der die Insel vom Festland trennt und zu bezaubernden Natur- und Seelandschaften führt.

Apropos Landschaft:

Die Mehrzahl der Touristen kommt sicherlich wegen des 40 km langen und bis zu 70 Meter breiten, feinsten Sandstrands auf der Ostseeseite. Die Insel bietet aber neben dem rummeligen Strandleben im Inneren unerwartete Kontraste, in Form einer attraktiven, sehr vielfältigen und noch  einigermaßen naturbelassenen, hügeligen grünen Landschaft, die zu entspannten Entdeckungstouren per Auto, Fahrrad oder zu Fuß einlädt. Hier fanden wir verschlafene Dörfer, rustikale Dorfgaststätten, stille Seen, kleine Segelhäfen, Schlösser, Museen und natürlich die wunderbaren Baumalleen, durch die man wie durch lichte Tunnels fährt.

Natürlich kamen und kommen wir nach Usedom auch wegen unserer Golfleidenschaft. Im „Golfhotel am Balmer See“ fanden wir einen idealen Standort, um dieser Leidenschaft nahezu unlimitiert frönen zu können. Das dezentral gebaute Hotel liegt direkt am Balmer See und bietet dem Gast neben zwei 18 Loch Golfanlagen und den entsprechenden Übungsmöglichkeiten auch die Möglichkeit der wohligen Entspannung im ausgedehnten Wellnessbereich mit Innen- und Außenpool, Liegewiese am See etc.

Der leichtere gelbe und anspruchsvollere blaue Golfkurs passen sich ideal an die hügelige, weitläufige und unverbaute Landschaft an und bieten wunderschöne Blicke auf den Balmer See. Beide Plätze sind gut zu laufen, wobei der blaue Platz deutlich längere Wege zwischen den einzelnen Löchern aufweist. An die Nähe zum Meer erinnert der teilweise kräftige Wind, der das Ganze zu einem nahezu irischen „Vergnügen“ macht, woran auch die Landschaft erinnert.

Das Hotel besteht aus einem malerischen Ensemble von 5 rohrgedeckten Häusern und bietet darüber hinaus auch komfortable Ferienwohnungen unterschiedlicher Größen an, die wir bei unseren Aufenthalten bisher bevorzugten. Besonders erwähnenswert sind der freundliche Service, die Essensqualität und das gesamte Preis/Leistungsverhältnis, kurz gesagt, wir empfinden das Hotel am Balmer See als erholsame Wohlfühloase, die sehr empfehlenswert ist!

Wie schon angedeutet, bietet Usedom weit mehr, als nur Golf! Der Besuch der Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck an der Ostsee (hier pflegte früher der Kaiser mit Entourage den Sommer zu verbringen) gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Urlaubs. In diesem Jahr haben wir uns auf Ahlbeck konzentriert und waren von der hoch herrschaftlichen Bäderarchitektur an der Promenade genauso begeistert, wie von den meeresfrischen Fischspezialitäten bei „Fischers Fritz“ an der Promenade oder „Fisch Domke“  in der Seestraße. Von der eindrucksvollen Ahlbecker Seebrücke aus genossen wir die Aussicht auf die weitläufigen Sandstrände bis hin zu den kaiserlichen Nachbarorten – das Klavier im Sand vor den bunten Strandkörben gab dem Ganzen einen exklusiven Flair!

Den einzigen Regentag nutzten wir zu einem Ausflug nach Polen, nach Swinemünde. Das größte und ehemals deutsche Seebad auf Usedom wurde nach dem Kriegsende polnisch. Die inzwischen völlig offenen Grenzen machen Swinemünde wieder zu einem festen Bestandteil von Usedom. Die preiswerteren Lebensmittel, Textilien, Restaurants etc. tragen ihren Teil zum regen Grenzverkehr bei – ebenso das umfassende Angebot der „Polenmärkte“ .genannten Flohmärkte nach der Grenze. In der Innenstadt sieht man zwar noch ab und zu die Wunden der Zerstörung und die Bausünden der sozialistischen Nachkriegszeit, aber vieles ist wieder hergestellt und Teile der schönen Bäderarchitektur sind erhalten und renoviert. Dass eine alte Backsteinkirche im Zentrum heute ein Jugendcafe beherbergt steht im seltsamen Kontrast zur Verehrung der mit Blumen geschmückten Büste des ehemaligen polnischen Papstes. Wenn man sich im bunten Strandkorb am feinen Sandstrand den Wind um die Nase wehen lässt, zählt sowieso nur die entspannte Gegenwart und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit vielen deutschen Touristen!

Usedom ist eine Fahrradinsel – überall kann man sich Fahrräder (auch Elektrobikes) mieten und dann auf empfohlenen oder selbst gewählten Routen die Strände abfahren oder die schöne Natur des Inselinneren erkunden.

Da wir als Golfer den halben Tag lang damit beschäftigt sind, den heimtückischen Ball in viel zu kleinen Löchern zu versenken, waren unsere anschließenden  Inselerkundungen leider wieder nur auf das Auto beschränkt. Bei jedem Inselaufenthalt nehmen wir uns vor, „das nächste Mal fahren wir Fahrrad“…die Hoffnung stirbt zuletzt!

Für dieses Mal möchte ich noch auf den Besuch des Wasserschlosses Mellenthin und des kleinen Hafens Rankwitz eingehen.

Beim Besuch des malerischen Wasserschlosses wird zunächst ein Brückenzoll fällig, den man dann allerdings im Schlosshof gegen köstliche Waffelkreationen eintauschen kann. Das vom Wasser umgebene Renaissanceschloss grenzt an einen sehenswerten Schlosspark, ansonsten tobt im Schlosshof und den angrenzenden Läden und Veranstaltungsräumen der touristische Wahnsinn. Nach einer zünftigen Stärkung empfiehlt sich der Spaziergang zur sehr viel friedlicheren alten Kirche mit sehenswerter Innenausstattung und kleinem Friedhof.

Eine kulinarische Empfehlung führte uns in das nahe Rankwitz „Zur Alten Fischräucherei“. Am Achterwasser kann man hier köstlichen Fisch genießen oder ein preiswertes Ferienhaus am Wasser mieten oder eine Bootsfahrt unternehmen oder am See einfach nur die Seele baumeln lassen. Das Ganze liegt im Lieper Winkel, der von der Peene und dem Achterwasser umgeben ist und noch eine Art Geheimtipp für geruhsamen Urlaub darstellt.

Bei früheren Aufenthalten auf der Insel waren wir natürlich auch in Peenemünde und hatten im dortigen Historisch -Technischen Informationszentrum  ein Rendezvous mit unserer unseligen, kriegerischen Vergangenheit und den ersten Raketen von Werner von Braun, die damals den Endsieg sichern sollten. Letztlich begann jedoch hier, quasi am Ende der Welt, die Geschichte der Raumfahrt. Die siegreichen Amerikaner brachten 1945 die Wissenschaftler und deren Technik nach Huntville in Alabama, wo in der Folgezeit die technische Eroberung des Weltalls mit der Mondlandung vorbereitet wurde.

So viel für heute über unseren erneuten Besuch von Usedom. Für den nächsten Besuch haben wir uns fest vorgenommen, etwas weniger Golf zu spielen und dafür mit dem Fahrrad ausgiebige Entdeckungsfahrten auf dieser tollen Insel zu unternehmen.

Klaus Weidner                                        September 2015

 

 

 

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