Bilbao, Rioja, San Sebastian, ein Reisebericht über das Baskenland

 Reisebericht über eine Kurzreise durch das Baskenland im Oktober 2018

Vorbemerkungen

Wir haben uns einen lange gehegten Wunsch erfüllt und in 5 Tagen das Baskenland auf eigene Faust erkundet – Bilbao, Rioja und San Sebastian.

Wir hatten dabei doppeltes Glück:

Zum einen verwöhnte uns das Wetter an der regenanfälligen Biskaya mit spätsommerlicher Sonne, Trockenheit und angenehmen Temperaturen. Zum anderen war die Hotelauswahl speziell in Bilbao – genau gegenüber dem Guggenheim Museum – von der Lage her absolut genial.

Nach einem kurzen, 1,5 stündigen und relativ preiswerten Direktflug von Stuttgart nach Bilbao, mieteten wir uns am Flughafen einen geräumigen und bequemen Mercedes Vitro für uns sechs, den unser Freund Manfred souverän durch Stadt und Land chauffierte. Bei einer Höhe von 1,90 Meter hatten wir auch in Parkhäusern und Hotelgaragen keinerlei Probleme.

Unser individueller Reiseplan sah je zwei Übernachtungen in Bilbao und San Sebastian vor. Die Fahrt von Bilbao nach San Sebastian nutzten wir zu einem ausgiebigen Tagesausflug in das berühmte Weinanbaugebiet Rioja. Am Ende der Reise fuhren wir in einer guten Stunde auf der nicht sehr frequentierten Autobahn zurück zum Flughafen Bilbao.

Der Zeitplan war insgesamt ambitioniert, aber zeitlich ausreichend – wir haben uns in den Städten nicht geschont und sind die wesentlichen Sehenswürdigkeiten weitgehend zu Fuß abgelaufen.

 

Bilbao

Im Reiseteil der FAZ war vor einiger Zeit von „Bilbaos spektakulärer Stadterneuerung“ die Rede, was uns u.a. zu dieser Reise animierte.

Nach langen Stadtspaziergängen können wir heute diese Ankündigung voll bestätigen. Bilbao hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur gewandelt, sondern komplett neu erfunden. Aus einer unscheinbaren, grauen Industriestadt, geprägt von Schwerindustrie und Werften, wurde nach der Wirtschaftskrise Anfang der 90 er Jahre sukzessive ein wunderbarer Schwan – eine lebens- und liebenswerte Kunst- und Kulturstadt mit hoher Lebensqualität für 350.000 Einwohner und unzählige Touristen.                                                   

Unser fantastischer Standort, das Grandhotel Domine, direkt am Fluss Nervion, mit atemberaubendem Blick auf das gegenüberliegende Guggenheim- Museum, erlaubte uns problemlos Spaziergänge in die Alt- und Neustadt, entlang der beiden grünen Flussufer, die früher von Industrieanlagen geprägt waren. Wir waren begeistert von den wunderbaren Brücken und den renovierten, prunkvollen Häuserfassaden, die vom früheren Reichtum der Stadt Zeugnis ablegen. Grundsätzlich ist Bilbao eine grüne Stadt mit kleinen Parks, vielen Bäumen, auch bedingt durch das regenreiche Klima. Die stimmungsvolle, kleinteilige Altstadt mit den unzähligen Pintxos-Bars kontrastiert mit dem modernen Bilbao, das durch großartige Plätze, einen breiten (Einkaufs-) Boulevard, Gran Via de Don Lopez, und wunderbare, historische Gebäude gekennzeichnet ist. Das prachtvolle Teatro Arriaga und das mächtige Rathaus verbinden praktisch den alten und neuen Teil der Stadt.

Empfehlenswert ist auch der Überblick auf Bilbao, vom Mirador del Monte Artxanda, dem 250 Meter hohen „Hausberg“. Auch von hier oben blieb der Blick schnell am Guggenheim Museum hängen, das mit seiner außergewöhnlichen Architektur und Lage natürlich der „Leuchtturm“ des neuen Bilbaos ist.

Am im Jahr 1997 eröffneten Guggenheim Museum, einem Meisterwerk des Architekten Frank O. Gehry, konnte ich mich nicht satt sehen – mit den unterschiedlichen, tageszeitlich bedingten Lichtverhältnissen ändert sich auch sein Aussehen. Die Spiegelungen der silbernen Außenhaut im Wasser, in Verbindung mit den bunten Kunstwerken von Jeff Koons und den wunderbaren Arbeiten von Bourgeois und Kapoor ergeben unzählige Fotomotive. Die Lage am Fluss, unter der geschwungenen Puente de la Salve und dem riesigen roten Kunstwerk von Daniel Burren, einem ehemaligen Brückenpfeiler, sowie dem gespaltenen Turm, der das Ganze bewacht, ist schon allein die Reise wert!

Von der ausgestellten Kunst sind vor allem die riesigen Eisenkonstruktionen von Serra, „The Matter of Time“ im Erdgeschoss zu nennen, in deren zylindrischen Labyrinthen man sich fast verlieren kann.

Der klassische Ausstellungsbereich im 3.Obergeschoss und die relativ kleine Moderne wären allein die Reise nicht wert, da zeigt Guggenheim an anderer Stelle (New York, Venedig) mehr Qualität und Quantität.

Leider wurden wir bei den Stadtbesichtigungen von den langen, nachmittäglichen  Siesta-Zeiten ausgebremst. Sowohl Kirchen und öffentliche Einrichtungen, als auch Geschäfte sind zwischen 14.00 und 17.00 Uhr weitestgehend geschlossen. In dieser Zeit kann man in den blauen Zonen sogar kostenlos parken – was wiederum den unzähligen Pintxosbars zu Gute kommt. Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir in dieser Zeit das Guggenheim gebucht und nicht erst gegen Abend – so blieben uns eben fast nur die köstlichen Pintxos zur zeitlichen Überbrückung. Am Abend vertrauten wir der Empfehlung des Michelin und speisten vorzüglich im Los Fueros, einem stimmungsvollen, alten Restaurant in der Altstadt – bei einem köstlichen PINTXOSMENÜ!

Am nächsten Tag ergänzten wir unseren Bilbao-Besuch durch einen kurzen Ausflug an die Biskaya, in das malerische Hafenstädtchen Getxo, in dem die Welt ein bisschen stehen geblieben ist. Der Fluss, der Getzko von der anderen Flussseite trennt, wird von einer gewaltigen Eisenbrücke aus 1893 überbrückt, einem Industriedenkmal und der ersten Schwebebrücke der Welt, der „Puente Vizcya“.Leider verhinderte auch hier die „heilige“ Siesta, dass wir den Eisensteg in 45 Meter Höhe um die Mittagszeit begehen und die angekündigte Aussicht genießen konnten. Stattdessen schwebten wir in einer altertümlichen Schwebebahn in Flusshöhe zurück ans andere Ufer.

Gut gelaunt und mit dem Mut zur Lücke und dem Wissen, in der kurzen Zeit vieles, aber nicht alles gesehen zu haben, verließen wir das schöne Bilbao am nächsten Morgen. Wir nutzten die Fahrt nach San Sebastian zu einem Abstecher in das weltbekannte Rioja Weingebiet, das nur eine Autostunde entfernt beginnt.

Rioja

Obwohl wir seit vielen Jahren die Riojaweine lieben, musste ich jetzt feststellen, dass ich von der Rioja-Weinregion eigentlich keine Ahnung hatte.

Das Weinbaugebiet Rioja liegt am Ebrofluss und besteht aus Rioja Baja und den beiden baskischen Regionen Rioja Alavesa und Alta im oberen Gebiet des Ebro, die unter Kennern als besonders qualitätsvoll geschätzt werden. Insgesamt besteht Rioja aus 60.000 Hektar Rebfläche, die von 20.000 Winzern bearbeitet wird und gehört damit zu den bedeutendsten Weinregionen Europas.

Von Bilbao aus führte uns eine Autobahn durch gebirgiges Gelände nach Süden. Nach 60 Km begann der Weinbau, die Landschaft öffnete sich, herbstliche Farben dominierten die wunderschöne, hügelige Landschaft. Viele landwirtschaftliche Fahrzeuge waren der Beweis, dass die Weinlese längst begonnen hat.

Wir erfuhren, dass die Weine aus Rioja international zwar sehr beliebt sind, dass sich aber trotzdem in der Vergangenheit nur wenige Touristen in diese schöne Region verirrten.

Um die Gegend für Besucher reizvoller zu machen, beauftragten viele Bodegabesitzer renommierte Architekten, die Weingüter mit futuristischer Architektur auch für das Auge attraktiver zu machen. Wir besuchten 3 dieser architektonischen „Leuchttürme“.

Zunächst trafen wir in Rioja Alta in Haro auf das alte Weingut Lopez de Heredia, wo die Lese und Weinverarbeitung auch in vollem Gange war. Für die architektonische Attraktion des Weinguts sorgte die irakische Architektin Zaha Hadid, die die historische Jugendstil-Verkaufstheke und den gesamten Verkaufsraum mit einer futuristischen Glas- und Stahlkonstruktion umhüllte. Der Kontrast zwischen alt und neu konnte größer nicht sein und war ein idealer Einstieg in unsere architektonische Entdeckungstour.

Wir fuhren weiter durch eine liebliche Hügellandschaft mit Weinanbau, soweit das Auge reicht, bis wir im Rioja Alavesa in der Ferne ein merkwürdiges Gebilde aus farbigem Glas und Metall in der Sonne glänzen sahen – wir näherten uns dem Weingut Los Herederos del Marques de Riscal.

In diesem Weingut hat sich der Architekt des Guggenheim-Museums, Frank. O. Gehry, ein weiteres Denkmal gesetzt. Bei der Ankunft stellten wir allerdings enttäuscht fest, dass es sich hier um eine wohl kalkulierte Touristenfalle handelt – das futuristische Hauptgebäude war komplett abgeschirmt und konnte nur in einer bezahlten 1,5 stündigen Gruppenführung aus der Nähe betrachtet werden.

Als wir schon resigniert aufgeben wollten, entdeckte ich eine unscheinbare Auffahrt mit dem Schild „Hotel“ – eine Notlüge wies uns an der Schranke als Hotelgäste aus und schon konnten wir Gehrys Wunderwerk, das sich als 5 Sterne Luxushotel herausstellte, in aller Ruhe von außen und innen bewundern. Die vielfarbigen Titanschleifen des Dachs und der Außenhaut des Hotels stellten einen reizvollen, unvergesslichen Kontrast zu den herbstlichen Farben des umliegenden Weinanbaus dar.

Die eigentlich fällige Weinprobe fiel zwar aus, wir genossen dafür aber unseren kleinen Sieg über den großen Kommerz!

Bevor wir das nächste architektonische Wunder suchten, bummelten wir durch den alten und sehr stimmungsvollen Ort Laguardia auf einem Hügel und genossen die Aussicht auf diese überaus schöne und attraktive Weinregion, die uns immer mehr an die touristisch weitaus berühmtere Toscana erinnerte. Ein köstliches, dreigängiges Mittagsmenu für 14.-€, Wein, Wasser, Kaffee inclusive, in einem unscheinbaren Restaurant versöhnte uns endgültig.

Den spektakulären Abschluss unseres kurzen Riojabesuchs bildete das Weingut Ysios. Der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava hat mitten in die Weinberge eine moderne „Weinkirche“, manche sprechen auch von Orgelpfeifen, mit je 3 runden Nebengebäuden aus Holz und Metall gebaut, die mit dem dahinter liegenden Kantabrischen Gebirge eine wunderbare Symbiose eingehen.

Leider kam auch hier die Weinprobe zu kurz, da unser Besuch erneut in die Siesta-Zeit fiel. Wir waren allerdings spontan der Meinung, dass Rioja mehr als eine kurze Durchreise verdient hat und sich ein genussvolles Wiederkommen mit Muße lohnt!

San Sebastian

Die letzte Station unserer Reise war das Seebad San Sebastian, das vor allem durch seine Lage an einer wunderbaren, halbkreisförmigen Strandbucht besticht.

Da der herrliche Sandstrand der Stadt gleichzeitig eine seiner 3 Hauptattraktionen ist, ist der Besucher natürlich besonders von gutem Wetter abhängig. Wir hatten zwar das Glück, dass uns der berüchtigte „XirimiriI“ der Biskaya verschonte, der Sturm und Regen bringt. Leider hatten wir aber einen grauen Himmel, so dass den Fotomotiven etwas das Sonnenlicht fehlte, um alles noch schöner und strahlender erscheinen zu lassen.

Die zweite Attraktion trägt den Namen des Künstlers Eduardo Chillida (1924-2002), die 3. Attraktion betrifft die hervorragende Küche, die in unzähligen Pintxo-Bars und Restaurants zelebriert wird.

Wir begannen unsere Stadtbesichtigung auf dem Monte Igeldo und hatten von dort oben einen fantastischen Rundblick über die Stadt, die beiden Badebuchten und den gegenüberliegenden zweiten Hausberg, den Monte Urgull. Von dort grüßte uns eine 12,5 Meter hohe Christusfigur und vermittelte ein bisschen ein „Rio-Feeling“.

Der folgende Spaziergang am stürmischen Meer entlang zu den 3 Kunstwerken von Chillida zählte für mich zu den Höhepunkten der Reise. Er nannte seine 3 tonnenschweren Eisenskulpturen „Peine del Viento“, Windkämme – der Wind sollte gekämmt werden, bevor er die Stadt erreicht. Die runden, in sich verwundenen, rostfarbenen Eisenskulpturen wurden mühevoll an den Felsen befestigt und sind dort ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Sie werden von Wellen und Gischt erfasst und teilweise überspült, die Hauptfigur ähnelt einem €, der symbolisch allen Gefahren trotzt. Chillida wurde in San Sebastian geboren und hinterließ seiner Heimatstadt mit den „Windkämmen“ ein unvergessliches Wahrzeichen.

Der Rest unseres Bummels durch San Sebastian ist schnell erzählt. Der Weg führte zunächst entlang der malerischen Conchabucht, wo Mutige sich nicht von den kühlen Wassertemperaturen abschrecken ließen, wir huldigten am Placa Cervantes dem schönen Denkmal der Helden Servantes, Don Quijote und Sancho Panza, bewunderten das imposante Rathaus und betraten dann durch ein Tor die Altstadt. Hier empfing uns die 3. Attraktion von San Sebastian, die unzähligen Pintxo-Bars mit einem unübersehbaren Angebot an kleinen Köstlichkeiten, die anderswo in Spanien Tapas heißen. Wir schlossen uns dem baskischen Essensrhythmus an, tagsüber Pintxos und ein ortsüblich spätes Abendessen im, vom Michelin empfohlenen, modernen Kellerrestaurant Galerna – das köstlich und bezahlbar war.

Unser nachmittäglicher Bummel führte uns von der Altstadt in das neuere Zentrum, mit breiten Straßen, schönen Plätzen und eindrucksvollen alten Gebäuden, wie z.B. dem Theatro Victoria Eugenia und dem Hotel Maria Cristina. Weitere geplante Besichtigungen fielen erneut der uns inzwischen schon bekannten Siesta-Ruhe mit Schließungen zwischen 14.00 und 17.00 Uhr zum Opfer. Diese unfreiwillige Pause ermutigte mich zu einem kurzen, erfrischenden Bad im Meer – das von meiner einzigen, einheimischen Mitschwimmerin mit erhobenem Daumen kommentiert wurde!

Fazit:

Das Baskenland ist mit seiner kulturellen Vielfalt, seinen schönen Städten und Landschaften und natürlichen wegen des ausgezeichneten Weins und Essens unbedingt eine Reise wert!  

 

Klaus Weidner                                                     Oktober 2018

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: